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 im Wirtshaus Max und Moritz, Oranienstraße 162, Berlin Kreuzberg

"den kosmos verstehen, heißt verschwinden ohne widerspruch" - Wer sich Scardanelli als nom de guerre gewählt hat, will es wissen. Hölderlin, 36-jährig, unterzeichnete seine letzten Gedichte vor seiner Entmündigung mit diesem Wahlnamen. Untertänigst! Das Ende einer Dichterkarriere! Hier in Berlin geht es so los und damit beginnt Mythos & Spuk! Und die Inszenierung eines Autors, der zu den größten Live-Performern dieser Stadt gehört. "zunehmendes ende" heißt sein Programm, das auf der 9. Langen Buchnacht im SO 36 für erstarrte Euphorie sorgte. Eine Erstarrung und Verunsicherung, die viele nach Verlassen des Ortes nicht losgelassen hat.

Wer ist Scardanelli, der Extrem-Lyriker, geb 1964 in Lindau am Bodensee? Bücher gibt es nicht mehr. Alle vergriffen: "elegien vom ende der welt" (Maas Verlag, 1991), "die litanei des todes" (Libelle 1993), "hautabziehn - the alien of hölderlin" und "tod versuche mich" (beide cyan press). Sein zentrales Werk "quartett opus posthum" (edition cali, new delhi 2005) sprengt in seiner gestalterischen Schönheit und Formatgröße die üblichen Buch-Produktionen vom Kassengift Lyrik. Die letzten Fragen, das Unerträgliche des menschlichen Seins und Leidens werden in einer sprachlichen Klarheit formuliert, die auf einen Gott ohne Ohren verzichten kann! Benn, Celan oder Cioran, Trakl und Heym. "Vom Nachteil geboren zu sein" oder Schwarze Romantik, nach Scardanellis Autopsie der Welt ist nichts, wie es war.

1990 gründet Scardanelli in Kreuzberg "die kahle sängerin", ein schwarzes Kabinett für Vodka, Wort und Violine:
"mein himmel ist die leere // meine hölle ist das nichts".
Gegenwart bleibt schwarz. Scardanelli lebt heute im ehemaligen Wg-Zimmer von Christiane F., die als eines der "Kinder vom Bahnhof Zoo" traurigen Ruhm erlangte. Seine Bibliothek ist in die Schweiz verkauft. Geschrumpft die Welt, die früher Fernreisen nach Indien, der Mongolei, Gletscher, Wüsten, Einöden beinhaltete und nun Erinnerung heißt. Die Erinnerung an jene Performance mit dem Underground-Musiker Alexander Christou im Rahmen der MOMA: "dunkler strom". Die Besucher hatten wahrscheinlich Schwierigkeiten. Nach Hause finden. Kein Ort nirgends.
Text: Erik Steffen

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