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 im Wirtshaus Max und Moritz, Oranienstraße 162, Berlin Kreuzberg

"Ich bin in der deutschen Sprache glücklich geworden."

Was sich wie das schulterklopfende Resultat eines Deutschsprachkurses anhört, gewinnt angesichts des Lebensweges von Emine Sevgi Özdamar (geb. 1946) eine Tiefe, die die deutsche Literatur in ungekannter Form bereichert hat. Gastarbeiter schreiben in Broken German über die Erfahrung des Verlustes der "Mutterzunge" und dem Ankommen in der Fremde. Berlin, 60er Jahre, Produktion. Ein Jahr lebt die Autorin in dieser Stadt, theaterbegeistert und doch im Wohnheim die Welt nur ahnend. Fremde Sprache, fremde Menschen, das gegenüberliegende Hebbel-Theater weit weg. 1976 wieder Berlin. Die innenpolitische Entwicklung der Türkei sah für Linke den Platz auf dem Friedhof vor. Distanzierung von der Muttersprache, Hospitanz an der Volksbühne Ost, Brecht und Matthias Langhoff sowie Benno Besson. Sie lebt in einer Weddinger Kommune, sie lebt anders als erwartet. "Sie ist als Nachtigall nach Alemania geflohen und dort ein Papagei geworden. Sie hat die deutsche Sprache gelernt. Jetzt ist sie eine türkische Nachtigall und ein zugleich ein deutscher Papagei." So der Vater.

Sie schreibt wie man es noch nicht gelesen hat, verbindet Herkunftssprache und Landessprache, Sinnlichkeit und Fantasie, Witz und Ernüchterung zu einem Amalgam von Idiom, das die mühsame eigene Sprachaneignung immer transparent lässt. Zunächst als Schauspielerin ("Happy Birthday, Türke"), dann als Theaterautorin ("Karagösz in Alemania") führt der Weg zum überwältigenden schriftstellerischen Erfolg. "Das Leben ist eine Karawanserei - hat zwei Türen - aus einer kam ich rein - aus der anderen ging ich raus" ist wie ihre gesamte Prosa stark autobiografisch geprägt. Dieser internationale Erfolg (das Buch wird in mehr als 13 Sprachen übersetzt) führt zu einer Fülle wichtiger Preise und zu einem immensen Textausstoß. "Die Brücke vom Goldenen Horn" (1998) und "Sonne auf halbem Weg. Die Istanbul-Berlin-Trilogie (2006) erscheinen ebenso wie die bibliophilen Bücher "Karriere einer Putzfrau" und "Das Mädchen vom verbrannten Wald" (beide Berliner Handpresse). Die Autorin scheint angekommen im Neuland und hat eine ganze Generation türkischstämmiger Autoren wie Feridun Zaimoglu motiviert es ihr gleich zu tun. Ein Gewinn für die deutsche Literatur!
Erik Steffen

Links:
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