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 im Wirtshaus Max und Moritz, Oranienstraße 162, Berlin Kreuzberg

Das kurze aber wilde und folgenreiche Leben der Bewegung Social Beat ist längst Literaturgeschichte. "Cocksucker" oder "Paria" hießen die Magazine, "Tötet den Affen" die Festivals einer Bewegung, die in den 90er Jahren eine Literatur des Undergrounds im Geiste von Bukowski, der amerikanischen Beat-Szene und anderen Outcasts zum kurzeitigen Hype brachten. Die Protagonisten verloren sich wieder, diejenigen mit Performerqualitäten belebten und initiierten Lesebühnen und Poetry Slams.

Frank-Kirk Ehm-Marks (geb. 1961) und Florian Günther (geb. 1963) waren Randfiguren dieser Szene. Zum ersten Mal gemeinsam auf einer Bühne, geben ihre Texte Einblick in eine Lebenswirklichkeit des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg, der denen eine Stimme verleiht, die Gentrifizierung als Fluch erleben. Alks, Asoziale, Alte, Gestrauchelte & Gescheiterte, Drogensüchtige und Dropouts. Der Bodensatz eines Kiezes, der ohne zu klagen sein kleines Glück sucht - ob Flasche, Druck oder Liebe. Arbeit ist nur eine Randerscheinung im Leben der Zukurzgekommenen. Die Suche nach Befriedigung und Selbstbehauptung geht seltsame, sehr eigene Wege. West-Ost- Unterschiede inbegriffen. Oranienstraße vs. Kochhannstraße. Kaschemmen, Hinterhofwohnungen, Jobcenter-Termine, die Gesellschaft nur vom Rand besehen, nicht integrierbar.

"Diese Gesellschaft läuft auf Ratenzahlung / ich zahl keine Raten mehr" heißt es in Marks' Gedicht "Ich liebe das Leben" aus seinem letzten Gedichtband "Eintöniges Leben in schmucklosem Raum" (Karin Kramer Verlag, Berlin 2004). Stattdessen wird das Leben gefüllt mit Bildern und Texten, die eine nicht kontrollierbare Verstörung artikulieren. Amokläuferfantasien eingeschlossen. Treber, Ex-Junk, Hausbesetzer, Art-Brut Künstler im Umfeld der Kreuzberger Post-Punk-Galerie "endart" - die Erfahrungswelten des Autors haben viele Facetten, aber nur eine Grundfarbe: schwarz. Mehr als ein Dutzend Textsammlungen, zwischen EGOWAHN und "Das Glück auf der Hollywoodschaukel"(MaroVerlag 1998).

Florian Günther, Fotograf und mehr, war Sänger von "Klick & aus", der DDR-Punkband mit Leuchtkraft. Als Rücklauf lebenslange Hilfsarbeiterjobs. Auch im Westen nie angekommen: " Scheint n guter Tag / zu werden, sagten / meine Freunde / von der Straße. Was / machst d n heut / noch so? / Mal sehn, sagte ich / Vielleicht such/ ich mir n Job, oder / ne Frau, oder sonst was. / Ihr Gelächter / verfolgte mich noch / hundert Meter weiter."("Unter Philosophen" aus "11 morgens", Edition Lükk Nösens, Berlin 2007). "Die Worte sind die Wehr, die Geschlagenen möglich ist. Sofern und solange sie sich der Sprache bemächtigen können. Man wird heiterer im Nehmen. Und es wird leichter," schreibt Bernd Heimberger. Dem ist nichts hinzufügen. Von Florian Günther erschienen u.a. bisher "Nuttenfrühstück", "Dicker Max & Co.", "Dusel", "Taschenbilliard" und "11 Uhr morgens"(alle Edition Lükk Nösens, Berlin). Texte wie Rock n' Roll. Nicht von ungefähr schreibt der "Rolling Stone": "Günther schreibt gegen den Krampf des Lebens an, über das Leben und Überleben, die Tristesse in Berliner Hinterhöfen sowie die großen Glücksmomente in ganz irdischen, oft kleinkarierten Momenten. Alles mit einer Wucht, als bestünde noch Hoffnung."
Text: Erik Steffen

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