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 im Wirtshaus Max und Moritz, Oranienstraße 162, Berlin Kreuzberg

"Es ist nicht leicht, Punk zu sein. Selbsttötungen aus der Provinz." ("matthias" BAADER Holst, 1962-1990). Von wegen. Sie können auch anders. Mani Beckmann, geb. 1965 im schwarzkatholischen Münsterland, ist nach Pionierarbeit in Sachen Punkrock ("Brigade Fozzy & Resident Mockery") in einer Liga gelandet, wo der eigene Erfolg als Autor fast misstrauisch macht. Mehr geht nicht, Lübbe als Hausverlag, Familie mit zwei Kindern & eine Gesamtauflage von mehr als 85000 Büchern. Womit geht das? Mit Krimis & historischen Romanen! Leseland Deutschland hat sich für einen Autor entschieden, der wie kaum ein anderer Unterhaltungsliteratur in einen subversiven Kontext des Anders-Schreibens überführt hat. Punk rules!? Oder was geht im Geschäft, ohne sich selbst zu verraten.

Wie alles anfing. Natürlich in Kreuzberg, rund um den Görlitzer Park, wo der Autor mehr als zehn Jahre gelebt hat. Tatort Kreuzberg. "Tabu" (1997) und "Filmriss" (2003), nicht bei Lübbe erschienen, tragen wie fast alle Krimis von Mani Beckmann (der Erfolg von "Sodom und Gomera", 1999, ist da eine Ausnahme ) alles andere als wesentlich zu den eindrucksvollen Auflagenhöhen bei. "Moorteufel, Die Kapelle im Moor und Teufelsmühle" waren Breitenwirkung, historische Romane, die der Massenware einen literarisch anspruchsvollen Gegenentwurf geboten haben. Die Berlin-Krimis hatten außerhalb der Hauptstadt keine große Resonanz. Nur Nischenliteratur und das ist schade. "Tabu" ist die in drei Perspektiven gesplittete Version eines Tathergangs: Eine junge Frau erfährt auf ganz eigene Weise die Bekanntschaft mit einem Baseballschläger. Daraus entwickelt sich eine Tragikomödie der besonderen Art, in der jeder verdient, was er bekommt. Wie ein Mosaik setzen sich alle beschränkten Wahrnehmungen der Protagonisten zu einem Gesamtbild zusammen. Liebe, Verrat und Gewalt. Tatort Kreuzberg.

"Filmriss", die satirische Rückschau auf die eigene Punkzeit und das Dasein als Filmkritiker auf der Berlinale, gibt einen Einblick in bekannte und unbekannte Welten ("SO36 vs. Zum goldenen Hahn vs. Potsdamer Platz; Hauptstadt vs. Provinz"). Wer will Albrecht, den gefürchteten Filmkritiker, ermorden? Schatten der Vergangenheit? Mani Beckmanns Buch hätte ein Bestseller werden können. Konjunktiv! Zu intelligent die Abrechnung mit der Mischpoke der Filmpublizistik, zu wüst das Punk-Bashing! Oder nicht! In den münsterländischen Heimatromanen wirkt das subversive Gift subtiler. Aber auch hier sind drei Pageturner entstanden, die den Genrekonventionen ein eigenständiges Anders entgegenwerfen. This is entertainment! Vielleicht wird der Autor zur Gitarre greifen, "War against war" singen und eine Zeit blitzt auf, in der alles möglich war. Selbst in der Unterhaltungsliteratur…

Text: Erik Steffen
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